Deutschland, kriminell

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Audi. Erste Festnahme im Dieselskandal

Im Skandal um manipulierte Dieselmotoren hat die Staatsanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen nun einen Motorenentwickler von Audi festnehmen lassen. Zudem drohen Audi und weiteren Konzernen Kartell-Ermittlungen.

Audi-Zentrale in Ingolstadt. Foto: Reuters

Im Skandal um manipulierte Dieselmotoren ist es zu einer ersten Festnahme gekommen. Nach Informationen des SPIEGEL hat die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft München II zu Beginn der Woche einen Motorenentwickler der VW-Tochter Audi verhaftet.

Bei dem festgenommenen Mann soll es sich um Giovanni P. handeln. Er zeichnete bis vor einigen Monaten verantwortlich für die Entwicklung von Dieselmotoren bei Audi. Er war im Zuge des ersten Skandals in den USA ins Visier der dortigen Ermittler geraten. Audi hatte ihn dann im Jahr 2015 beurlaubt. Ein Anwalt P's wurde zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft P. Beteiligung an Betrug und unlauterer Werbung vor. Wegen des gleichen Tatvorwurfs ermittelt die Behörde inzwischen gegen mehrere namentlich bekannte Manager. Vorstandsmitglieder von Audi sollen bislang nicht zu den Beschuldigten gehören.

In Ermittlerkreisen hieß es, dem Haftbefehl gegen P. lägen "eigene Ermittlungsergebnisse" zugrunde, keine bei der US-Kanzlei Jones Day beschlagnahmten Materialien.

Die Audi-Mutter Volkswagen hatte die amerikanischen Anwälte mit der internen Aufklärung rund um die manipulierten Dieselmotoren beauftragt. Entgegen einer ursprünglichen Ankündigung veröffentlichte VW den Bericht der Juristen allerdings bislang nicht.

Möglicherweise Kartellermittlungen gegen Autokonzerne

Die Staatsanwaltschaft München II hat allerdings bereits Räumlichkeiten der Kanzlei durchsucht und könnte damit im Besitz wertvoller Informationen sein. Sie liegt allerdings noch in einer juristischen Auseinandersetzung mit Jones Day, ob sie das beschlagnahmte Material verwenden darf.

Am Donnerstag stellte die US-Justiz Strafanzeige gegen P. beim zuständigen Gericht in Detroit im US-Bundesstaat Michigan. Sie wirft ihm Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltrecht vor.

Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal ermitteln in Deutschland gleich mehrere Staatsanwaltschaften - gegen Verantwortliche bei Daimler, Volkswagen und Audi. Deutsche Konzerne stehen auch nach wie vor im Visier der US-Ermittler. Zuletzt wurde bekannt, dass die USA internationale Haftbefehle gegen mehrere ehemalige VW-Manager beantragt hat.

Bereits im Frühjahr hatten US-Behörden den VW-Manager Oliver Schmid nach einem Urlaub in Miami festgenommen. Er ist einer von sechs Managern des Volkswagen-Konzerns, die von den USA weltweit zur Fahndung ausgeschrieben sind. Schmid droht in den USA eine mehrjährige Haftstrafe. Sein Audi-Kollege Giovanni P. dürfte schon Anfang nächster Woche die Untersuchungshaft verlassen können, wenn er mit den Ermittlungsbehörden kooperiert.

Zudem müssen sich Audi und andere Autokonzerne nach SPIEGEL-Informationen möglicherweise auch auf Untersuchungen wegen der Bildung eines Industriekartells einstellen. Brüsseler Wettbewerbshütern liegen Informationen vor, wonach sich die Autokonzerne über die Größe der AdBlue-Tanks verständigt haben könnten. Die Kartellwächter planen offenbar, mögliche Zeugen zu befragen. Die Unternehmen wollten sich auf Nachfrage nicht zu dem Verdacht äußern.

Quelle: spiegel.de

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