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Gastbeitrag Die Lernmittelfreiheit steht für uns Grüne nicht an erster Stelle

Die Berliner Schule ist von zahlreichen Baustellen geprägt. Bei den Bildungsrankings der Schulen ist Berlin regelmäßig Schlusslicht. Viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Es fehlen Schulplätze, die Schulen sind marode, die Ausstattung veraltet und wir haben einen massiven Fachkräftemangel.

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"Wenn es um die Bildung von Kindern und Jugendlichen geht, legen wir Grüne ein besonderes Augenmerk auf die Qualität", schreiben die Autorinnen in ihrem Gastbeitrag. Quelle:imago/CHROMORANGE

Diese vielen Probleme will die Koalition aus SPD, Linken und uns Grünen bearbeiten. Mit über 90 vereinbarten Vorhaben haben wir uns im Koalitionsvertrag einiges vorgenommen und dabei gemeinsam die notwendigen Prioritäten gesetzt.

Wenn es um die Bildung von Kindern und Jugendlichen geht, legen wir Grüne ein besonderes Augenmerk auf die Qualität, dies haben wir auch schon bei der Diskussion um die Kitas gemacht. Wir wissen, dass Qualitätsprozesse Zeit brauchen, sich nicht an Legislaturperioden orientieren und selten schnelle Erfolge garantieren und sich nicht durch schnelle gesetzliche Entscheidungen herbeiführen lassen.

Gerade in der Bildungspolitik denken wir Grünen langfristig und über den nächsten Wahltermin hinaus. Die Vorhaben der rot-rot-grünen Koalition sind sehr ehrgeizig und brauchen auch erhebliche öffentliche Mittel. Wir werden nicht alle Baustellen sofort abarbeiten und nicht alle Wunschprojekte unverzüglich umsetzen können.

Lernmittelfreiheit ist als mittelfristiges Ziel sinnvoll

Hier lohnt sich ein genauer Blick darauf, welche Schritte wann gemacht werden sollten. Die Lernmittelfreiheit steht für uns Grüne dabei nicht an erster Stelle.

Für uns ist das auch eine Stilfrage: Wir wollen nicht der Versuchung erliegen an Schrauben zu drehen, die man gerade nicht drehen sollte und schnelle Lösungen zu versprechen, die wir nicht liefern können. Kostenbefreiungen im Bildungssystem sind populär, führen aber nicht unbedingt zu Verbesserungen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Lernmittelfreiheit. Im Koalitionsvertrag haben wir uns darauf geeinigt, dass die Lernmittelfreiheit als mittelfristiges Ziel sinnvoll ist. Dabei geht es real um bis zu 100 Euro, die Eltern für ihr Kind im Jahr für Lernmittel ausgeben müssen. Insgesamt summiert sich das auf ca. 28 Millionen Euro.

Setzen wir die Lernmittelfreiheit jetzt im Hauruck-Verfahren durch, drängen wir die Schulen und Eltern in eine Zuzahlungsdebatte. Denn die Schulen werden sich das fehlende Geld über Umwege von den Eltern nehmen.

Die Lernmittelfreiheit führt nicht zu mehr Gerechtigkeit

Klassenkassen und Kopierkostenzuschläge sind dabei finanzielle Belastungen, die Eltern mit geringem Einkommen dann ohne Ansprüche auf staatliche Unterstützung selbst tragen müssten. Ohnehin werden durch die Lernmittelfreiheit vor allem die Mittel- und Oberschicht entlastet.71 119222506 null 09 07 2017 21 36 41 636

Antje Kapek ist Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Quelle:dpa

Gerade sind nämlich Kinder aus sozial benachteiligten Haushalten durch das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) ohnehin von der Zuzahlung des Eigenanteils befreit. Die Lernmittelfreiheit führt also nicht zu mehr Gerechtigkeit und bedroht die Qualität.

Wir Grüne wollen stattdessen prioritär Qualitätsverbesserungen für die Schulen erreichen. Hier gibt es genug Baustellen und dafür braucht es Geld. Der Ganztag an den Grundschulen ist unterausgestattet. Es braucht dringend mehr Personal im Nachmittag.

So ist mitunter eine Erzieherin oder ein Erzieher für 40 Kinder zuständig. Ein Schwerpunkt muss daher die Weiterentwicklung von verbindlichen Standards zur Entwicklung eines qualitativ hochwertigen Ganztages sein.

Bereits mit vergleichsweise niedrigen Summen ließen sich hier große Erfolge erzielen

Auch das Thema Digitalisierung und OER (Open Educational Resources) sowie die Weiterentwicklung des Master eEducation-Plans stocken seit Jahren. In Zeiten, in denen die Bedeutung von Schulbüchern abnimmt, wäre es verheerend, die Digitalisierung zu verschlafen.

Der Unterricht selbst soll und muss sich weiterentwickeln. Die Schulen sollten ein Budget haben, um Lizenzen für Unterrichts- und Arbeitsmaterialien oder Fortbildungen zu erwerben. Gerade bei der Unterrichtsentwicklung besteht in Berlin ein Aufholbedarf.

Bereits mit vergleichsweise niedrigen Summen ließen sich hier große Erfolge erzielen. Zudem sollte der Verfügungsfond aufgestockt werden, damit die Schulen mehr Mittel für Eigenanschaffungen haben und nicht mehr zwischen dringend benötigtem Beamer und fehlendem Musikinstrument entscheiden müssen.

Viele Schulen in Berlin müssen auch noch ganz andere Herausforderungen meistern. Sie befinden sich in Stadtteilen mit besonderen Problemlagen und werden hauptsächlich von Schülern und Schülerinnen besucht, die es besonders schwer haben. Diese Schulen brauchen besondere Unterstützung.

Maßnahmen müssen für mindestens vier bis fünf Jahre angelegt werden

Solidaritätsbekundungen reichen nicht. Was wir dringend brauchen ist ein individuelles, passgenaues und insbesondere langfristig angelegtes Unterstützungssystem mit einem multiprofessionellen Beratungs- und Unterstützungsangebot. Zwei Jahre reichen nicht aus, um das Ruder an Schulen zu drehen, die gekippt sind.71 119222990 null 09 07 2017 21 36 41 636

Marianne Burkert-Eulitz ist bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. Quelle: bku

Maßnahmen müssen hier für mindestens vier bis fünf Jahre angelegt werden. Das geht nicht, ohne eine deutliche Aufstockung von Prozessberatern und dafür braucht es Geld.

Zusätzlich sollte in Betracht gezogen werden, Lehrkräfte an diesen Schulen in der Unterrichtsverpflichtung zu entlasten, um ihnen mehr Zeit für Unterrichtsentwicklung und die individuelle Betreuung von Kindern und Jugendlichen freizuschaufeln.

Gerade an herausfordernden Schulen brauchen wir das beste Personal. Das wird aber nur an diese Schulen gehen, wenn weitere Anreize gesetzt werden. So wäre auch zu prüfen, ob man eine Bonus-Zulage Z für das pädagogische Personal einrichtet. Auch eine solche Zulage kostet Geld.

Es muss ein Qualitätsmanagement etabliert werden

Wer unseren Kindern und Jugendlichen wirklich eine Zukunft geben will, der setzt auf eine langfristige Bildungspolitik und geht die wichtigsten Baustellen zuerst an. Wer wirklich was verändern will, krempelt die Ärmel hoch und verbessert konsequent die Qualität. Vor allem an den Schulen, die besondere Herausforderungen meistern müssen.

Dabei geht es zwar auch um mehr Geld und Personal, aber nicht nur. Es geht um die Veränderung von Prozessen, die richtige Steuerung von Mitteln und Personal sowie die Etablierung eines Qualitätsmanagements.

Es geht um die Wertschätzung und Achtung vor allem derjenigen, die jeden Tag in besonders herausfordernden Schulen arbeiten und versuchen unseren Kindern und Jugendlichen eine Chance für eine gute Zukunft zu vermitteln. Lassen wir diese nicht alleine. Setzen wir zuerst da an, wo es am nötigsten ist.

Quelle: berliner-zeitung.de

Comments   

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