Deutschland, migranten, Flüchtlinge

Flirten für Flüchtlinge

Integrationshilfe mal anders: Ein Flirtcoach will Flüchtlingen helfen, deutsche Freundinnen zu finden. Das Problem: Die Frauen haben wenig Interesse, die Männer teils unrealistische Ansprüche.

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Flirtcoach Horst Wenzel im Gespräch mit den Flüchtlingen: „Wenn sich in Afghanistan ein Junge und ein Mädchen treffen und verlieben, was passiert dann?“ Quelle: Andreas Pein

Deutschland wäre auch ohne die Frauen schon kompliziert genug: Asylrecht, Genitiv, Jobsuche. Aber wie sich verhalten gegenüber Frauen, die selbstbewusst sind, Hotpants tragen, in der Öffentlichkeit Männer küssen, mit denen sie nicht mal verheiratet sind? Das sollen ein paar Dutzend junge Männer zwischen 17 und 22 Jahren aus Syrien, Afghanistan und Iran an einem heißen Tag im Frühsommer lernen. Sie alle besuchen Willkommensklassen an einem Oberstufenzentrum in Berlin-Neukölln; fünf junge Frauen sind auch dabei. Ihr Lehrer an diesem Tag ist Horst Wenzel, hauptberuflicher Flirtcoach. Er redet mit ihnen über Liebe, Sex und Rollenbilder – Themen, zu denen die jungen Männer und ihre Klassenkameradinnen sehr verschiedene Ansichten haben.

Wenzel hat blonde Locken und helle Haut, die nie rot wird, auch nicht bei solchen expliziten Anweisungen: „Schickt erst mal euer Knie vor, bevor ihr der Frau in den Intimbereich fasst.“ – „Küsst erst mal ihren Hals, bevor ihr ihre Brüste berührt.“ – „Eine Beziehung ist dann gut, wenn der Sex gut ist.“ An dieser Stelle schauen seine Zuhörer hoch konzentriert. Manchmal geben sie auch an, ein Junge etwa, der aufspringt, tänzelnde Bewegungen mit den Füßen macht und sagt, Sex sei wie Fußball: Man solle den Ball nicht direkt ins Tor schießen, sondern erst ein wenig mit ihm spielen.

Als Wenzel jedoch fragt, wer von ihnen schon mal ein Kondom gekauft habe, brechen viele in hysterisches Gekicher aus, einer zieht sich das T-Shirt vors Gesicht. Was kann vorausgesetzt werden, was nicht, was hilft, was verstört eher? Gar nicht so leicht.

Große Unterscheide zwischen Männern und Frauen

Viele der Männer, die mit Sportschuhen, bunten T-Shirts und gegelten Haaren in einem Stuhlkreis um Wenzel herumsitzen – die wenigen Frauen sitzen etwas abseits –, sind ohne Eltern, Geschwister und Partnerin nach Deutschland gekommen. Und wie könnte Integration besser gelingen als mit einer deutschen Freundin?

Das hat sich Horst Wenzel eines Tages gefragt und beschlossen, seine Dienste kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Wie an diesem Tag. Zum Einstieg will er von allen wissen, wie sie heißen und was Liebe für sie bedeutet. „Ich bin Abdullah, und ich liebe Autos.“ – „Ich bin Abdul und liebe mein Handy.“ – „Ich bin Ali, und ich will heiraten.“ Eine junge Frau mit pinkfarbenen Turnschuhen und schwarzem Kopftuch, das den Haaransatz frei lässt, sagt: „Ich bin Fatima und habe mich in meinem Leben zwei Mal verliebt: einmal in meinen Mann und einmal in meine zweijährige Tochter. Diese Liebe macht mich stark.“ Die Unterschiede zwischen den jungen Frauen, manche schon Mütter, und den jungen Männern, viele fast noch Kinder, sind groß.

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Flirten auf Deutsch will gelernt sein. Neben der Tafel mit den passenden Vokabeln hängen Superman und Superwoman. Quelle: Andreas Pein

Wenzel versucht der Frage nach der Liebe näherzukommen. „Wenn sich in Afghanistan ein Junge und ein Mädchen treffen und verlieben, was passiert dann?“ Einer der Jungen sagt: „Dann müssen sie schnell heiraten.“ Fatima wirft ein: „Dann wird die Frau mit Steinen beworfen.“ Ihre Freundin Doaa lacht bitter. Beiden scheint etwas nicht zu passen.

„Die Jungen denken, dass es schlecht ist, wenn ich über meine Beziehung rede“, sagt Doaa. In arabischen Ländern gehöre es sich nicht, dass Frauen über Liebe und Sex sprechen. Ihr Lehrer widerspricht: „Genau deshalb machen wir das doch hier. Damit die sehen: Hier reden wir über solche Dinge.“

„Heiraten wollen die nur eine muslimische Jungfrau“

Doaa überzeugt das nicht. Sie kommt aus As-Suwaida, einer liberalen Stadt im Südwesten Syriens. Ihr lockiges rötliches Haar trägt sie offen. Die Eltern sind Drusen, sie selbst bezeichnet sich als Atheistin – und fühlt sich im Flirtkurs und in der Willkommensklasse im Allgemeinen nicht besonders wohl: „Bei deutschen Frauen finden die arabischen Jungs freizügige Kleidung gut. Wenn ich mich als Araberin so anziehe, haben sie ein Problem damit.“

Quelle: faz.net

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