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Junge Osteuropäer wollen Freizügigkeit, aber keine Flüchtlinge

In Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn begrüßen junge Menschen laut einer Umfrage die Freizügigkeit der EU. Einwanderer aber sehen sie als Gefahr.

 Die europäische Idee wird 60, am Samstag jährt sich die Unterschrift unter die Römischen Verträge. Ein Grund zum Feiern natürlich in der EU. Das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den vier Visegrád-Staaten Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn sowie in Deutschland und Österreich zeigt: Die Jugend liebt die EU, die Mitgliedschaft sei eine "gute Sache". Vor allem schätzt sie den Frieden, den die Union ihr bietet. Auf Rang zwei: die Freiheit, in Europa zu reisen und sich überall zum Wohnen und Arbeiten niederlassen zu können.

 

Wie wichtig sind dir persönlich die folgenden Vorteile der Mitgliedschaft in der Europäischen Union?

 

Doch dort, wo Frieden und Freiheit für andere, für Nicht-EU-Bürger, beginnen, endet der Zuspruch: In ihrem Policy Briefing "Love it, leave it or change it?" hat die Bertelsmann-Stiftung zusammengefasst, wie 15- bis 24-Jährige in den sechs genannten Ländern zur EU stehen - und wie zum Thema Flucht, Einwanderung und Migration.

 

Beim Thema Kriegsflucht und Verfolgung zeigt sich, dass vor allem unter jungen Osteuropäern nur eine Minderheit bereit ist, verfolgte Menschen aufzunehmen. In Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn antworten 70 Prozent und mehr auf die Frage nach dem international verbrieften Recht auf Asyl: "Nein, mein Land soll keine Flüchtlinge aufnehmen."

 

Sollte dein Land in Übereinstimmung mit international vereinbarten Regeln und Standards, Flüchtlinge aus militärischen Konflikten oder Opfer von politischer Unterdrückung Asyl und Schutz gewähren?

Während in allen sechs Ländern die Befragten angaben, die EU dafür zu schätzen, dass sie den Frieden bewahrt, gaben nur Deutsche (73 Prozent) und Österreicher (61 Prozent) mehrheitlich an, Menschen Schutz bieten zu wollen, die vor Krieg oder Verfolgung flüchten. Die Ergebnisse seien "schockierend", sagt Autorin Gabriele Schöler von der Bertelsmann-Stiftung.Auf die Frage, ob Immigranten das eigene Land bereichern und wirtschaftlich voranbringen, antworteten nur in Deutschland die meisten mit Ja (42 Prozent eher ja, 40 Prozent eher nein).

 

Immigranten tragen zum wirtschaftlichen Wachstum deines Landes und allgemeinen Wohlstand bei

In Österreich (46 Prozent), Polen (58 Prozent), Tschechien (65 Prozent), der Slowakei (73 Prozent) und Ungarn (78 Prozent) fanden die meisten Befragten, Einwanderung bringe keine Vorteile. In den Ländern der Visegrád-Gruppe sehen 60 bis 70 Prozent in Einwanderern vor allem eines: eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

 

Immigranten sind eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit deines Landes

Es sind Zahlen, die zeigen, dass die teils offen fremdenfeindliche Politik der rechtskonservativen Regierungen in den vier Ländern, die sich zur Visegrád-Gruppe zusammengeschlossen haben, offenbar auch bei der Jugend auf fruchtbaren Boden fällt.

 

Islamismus als wichtigstes Problem der EU

In allen sechs Ländern sehen die jungen Europäer den islamistischen Terrorismus und Fundamentalismus als wichtigstes Problem. Schon auf Rang zwei folgt - verursacht durch die extreme Ablehnung in den Visegrád-Ländern - die Einwanderung. Die Deutschen sind eine Ausnahme: Sie fürchten nach dem Islamismus vor allem Umweltverschmutzung, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit und die Kluft zwischen Arm und Reich.

Erhoben wurden die Zahlen durch Kantar Public, vormals TNS Infratest. In den Ländern wurden jeweils 500 Menschen online auf Basis einer auf Eurostat-Statistiken beruhenden Quotenrechnung befragt. Die Zahlen sind laut Kantar und der Bertelsmann-Stiftung repräsentativ.

Wegen der relativ kleinen Anzahl an Befragten ist zwar Vorsicht geboten, für ein klares Ranking der Länder genügt sie nicht. Doch die drastische Ablehnung zu Einwanderung und Asyl ebenso wie die Zustimmung zur EU in allen Ländern ist stark genug, um als valide zu gelten.

Bis zum Mai 2017 haben sich die beteiligten Forscher in den sechs Staaten jetzt Zeit gegeben, aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

 

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