Deutschland

Langsam gehen alte Öfen aus

Nicht nur Dieselautos verpesten die Luft. Auch ältere Kamine und Heizöfen setzen jede Menge Feinstaub frei. Doch strengere Grenzwerte zwingen die Besitzer zum Austausch.

kaminoefen sind im kommen doch

Kaminöfen sind im Kommen: Doch wo Feuer ist, entsteht leider auch Rauch und Feinstaub. Quelle: Picture-Alliance

 Heizen mit Holz ist wieder populär. Nicht nur, weil es sich um einen günstigen und nachwachsenden Brennstoff handelt, der einen ökologisch guten Ruf hat. Sondern auch, weil das Herz jedes Hausbesitzers höher schlägt, wenn er einen Holzscheit nachlegen darf und es im Kamin anschließend behaglich flackert und knistert.

Rund elf Millionen Holzfeuerungsanlagen gibt es laut Statistik in Deutschland. Dazu zählen Pelletanlagen ebenso wie Stückholzkessel, aber auch Kaminöfen, die als zusätzliche Heizquelle im Wohnzimmer stehen und den Komfort steigern. Die Umweltfolgen des Heizens mit Holz aber wurden bei den Nutzern bisher unterschätzt. Umweltschützer haben die Kamine und Öfen seit langem auf dem Kieker, weil diese – ungefiltert – Ruß und Rauch freisetzen und damit verbunden vor allem Feinstaubpartikel.

40 Prozent des Feinstaubes von Heizungsanlagen

Nach Angaben des Umweltbundesamtes pusteten Holzfeuerungsanlagen mit einer Gesamtmenge von 21 000 Tonnen im Jahr 2015 mehr Feinstaub in die Luft als die Motoren von Lastwagen und Autos, wobei allerdings im Straßenverkehr noch der Abrieb von Reifen und Wiederaufwirbelungen hinzuzurechnen sind, so dass sich dessen Gesamtemissionen am Ende auf 29 580 Tonnen beliefen.

Grundsätzlich kritisieren Vertreter von Umweltverbänden die offiziellen Feinstaubmessungen in der Luft als zu grob und zu undifferenziert. Nur die schweren Teilchen würden an den Messstationen erfasst und nicht die feinen Partikel, die am leichtesten in den menschlichen Organismus eindrängen und dort Schaden anrichteten. Dann würden die Ergebnisse am Ende schlechter ausfallen, heißt es.

Eine deutliche Sprache sprechen die Zahlen der Initiative für saubere Wärme, Clean Heat, einem von der EU geförderten Projekt, an dem die Deutsche Umwelthilfe beteiligt ist. Danach sind Heizungsanlagen in Haushalten – und davon in erster Linie Holzöfen und -kessel – für mehr als 40 Prozent des Feinstaubes in Europa verantwortlich. Das Heizen mit festen Brennstoffen wie Holz sei „die größte Quelle gesundheitsschädlicher Ruß- und Feinstaubpartikel in Europa“, stellt die Initiative fest und nennt die Gründe: Öfen und Kamine seien oft veraltet, würden falsch befeuert oder nicht effizient betrieben.

Mancher Ofen von Nachrüstpflicht ausgenommen

Nun mag man zur Umwelthilfe, die auch in der Auseinandersetzung über den Diesel klar Position für Fahrverbote bezieht, stehen, wie man will. Dass die Stadt Stuttgart inzwischen an kritischen Feinstaubtagen ein Betriebsverbot für ältere Kamine in Privathaushalten, die nur zusätzlich zum Heizen eingesetzt werden, beschlossen hat, dürfte den einen oder anderen Holzofenbesitzer durchaus beunruhigen. Stuttgart leidet wegen seiner Kessellage besonders stark unter Verkehr und Emissionen. Die Zahl der sogenannten Komfortkamine in der Stadt wird mit 20 000 beziffert.

Nach und nach werden sich auch alle anderen Ofenfreunde in Hessen und anderswo auf neue Grenzwerte und zusätzliche Kosten einstellen müssen. Denn um die Feinstaubbelastung zu begrenzen, hat die Politik 2010 die Kleinfeuerungsverordnung ergänzt mit neuen Ausstoß-Höchstwerten und festgelegten Fristen für den Austausch von Altanlagen.

Ende dieses Jahres endet die Frist für alle Geräte, die vor dem 1. Januar 1985 zugelassen wurden und dann älter als 32 Jahre sind. Bis Ende 2020 sind alle Feuerungsanlagen dran, die vor dem 1. Januar 1995 zugelassen wurden, und in siebeneinhalb Jahren sollen die Öfen ausgehen, die vor dem 22. März 2010 zugelassen worden sind. Ausgenommen von der Nachrüstpflicht sind alle Öfen und Kamine, die die einzige Heizmöglichkeit einer Wohneinheit darstellen, ebenso historische Öfen, Herde und offene Kamine.

Weniger Emissionen bei neuen Geräten

Die Kontrolle liegt beim Schornsteinfeger. Die Kamine müssen entweder stillgelegt, nachgerüstet oder ausgetauscht werden. Doch das Nachrüsten wird wohl kaum ein Schornsteinfeger empfehlen, weil es teurer käme als ein neuer Ofen.

Nach Angaben des HKI Industrieverbandes Haus-, Heiz- und Küchentechnik in Frankfurt wurden bereits 1,5 Millionen alte Feuerstätten ausgetauscht, bis 2024 unterliegen weitere vier Millionen der Vorschrift. Der Industrieverband erwartet beim Austausch veralteter Anlagen „enorme Fortschritte bei der Effizienz und der Luftreinhaltung“. Neue Geräte verursachten aufgrund einer optimierten Luftzufuhr, der Verwendung neuer Materialien und einer ausgeklügelten Konstruktion bis zu 80 Prozent weniger Emissionen als ihre Vorgänger aus den achtziger und neunziger Jahren, heißt es.

Hoffnung auf verlässlichen Standard

Messtechniker bestätigen, dass sich die Technik „wesentlich weiterentwickelt“ hat. Doch wie bei den Automobilen gibt es offenbar auch bei den Kaminöfen berechtigte Zweifel an der Verlässlichkeit der Prüfung der Typenzulassung. Die tatsächlichen Emissionen lägen „meist erheblich über den Herstellerangaben“, kritisiert etwa die Initiative Clean Heat. Und Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, stellte in diesem Frühjahr fest: „Der aktuell geltende Zulassungstest für Kaminöfen hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. In der Praxis stoßen sie erheblich mehr Feinstaub aus, als einem die geschönten Laborwerte weismachen wollen.“ Die Umwelthilfe fordert Messverfahren, die näher an der Realität sind, ebenso eine bessere Marktüberwachung.

Ofenbesitzer mit einer alten Feuerungsanlage, die sich bis Ende des Jahres entscheiden müssen, wird das alles nicht beruhigen. Eine gute Orientierungshilfe böte das Umweltzeichen Blauer Engel, doch das Zertifikat gibt es bisher nur für Pelletheizungen. Vorerst bleibt nur die Hoffnung auf einen verlässlichen Standard, der auch alle künftigen Grenzwertvorschriften einhält.

Quelle: faz.net

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